Roriwanghorn, Männdlenen, Schynige Platte

Es versprach heute einen tollen Herbsttag zu werden. Ich hatte frei und so zog es mich schon früh mit dem Zug in die Berge. In Interlaken zügelte ich auf das Postauto. Alle Schüler stiegen vorher aus und ich war der noch der Einzige und letzte Passagier der das Posti um 7h45 in Bönigen Dorf verliess. Keine Menschenseele im Dorf. Nur der Geruch von Feuer und Rauch lag in der Luft. Der Tag war erst am erwachen. Wunderschön.

 

So machte ich mich auf den Diretissimaweg Richtung Roriwang. Ein Abstecher zum Haslereneggtradi durfte nicht fehlen. Weiter ging es durch den kühlen Wald. Entlang dem rauschenden Bächlein. Nach deren Querung führte der Weg knackig empor. Das Rascheln der Herbstblätter auf dem Wanderweg war ein Genuss. Der Bach verstummte. Nur noch mein Schnaufen und meine Schritte. Bei den Hütten gönnte ich mir warmen Tee aus dem Rucksack, Weiter ufwärts konnte ich die ersten Gämsen beobachten. Wie elegant und schnell die durch das Gelände laufen. Die Sicherheit möchte ich auch haben, wenn ich die Grate  wandere. Unglaublich und schön. Bis auf das Roriwanghorn musste auch etwas gekraxelt werden. Nicht so schnell wie die Tiere, aber auch sicher schaffte ich es auf den Gipfel. Die Aussicht, einfach nur ein Genuss. Die Seen, der Grat der Grate vis a vis, die Stimmung und überhaupt. Ein genialer Platz, doch ich wollte weiter. Vorbei an kleinen Schneeresten und einem grossen Eiszapfen stand ich dann plötzlich oben auf dem Grat und die Sonne schien endlich auch auf mein Gesicht. Ein perfekter Platz um kurz Rast zu machen.

 

Früher fragte der Metzger immer noch, „darfs es Bitzeli meh si“? Das fragte ich mich auch und sagte klar JA!

So marschierte ich entgegen meinem Plan nicht gegen die Schnynige Platte sondern Richtung Faulhorn. Viellecht war ich als Kind mal da oben. Aber sonst kennte ich die Gegend da nicht und hatte auch keine Vorstellung. Nach jedem Rank und jedem Gupf wurde ich aufs neue überrascht. Ich wollte noch nicht zurück. Ich wollte eigentlich auch nicht bis auf den Männdlenen. Dennoch stand ich 13h45 plötzlich hier oben auf 2344m. Der Postautofahrer war die letzte Person die ich gesehnen habe. Und hier bei der Hütte traf ich als erste Person auf der Wanderung, auf einen Biker der von oben herab kam. Bis auf 3 Fischer sollte es auch die einzige Person sein die ich auf der Wanderung traf.

Die Männdlenen-Beiz war zu und das war gut so. Ich wanderte wieder zurück und sah von weit oben den Sägistalsee. Dort runter will ich auch noch. Ich fand oder erfand eine Diretissima die mich nach unten führte. Die 3 Fischer verteilten sich um den sehr stillen See. Kurz hielt ich mit einem, einen Schwatz über das Fischen und Ihre 5 Tage Fischerferien da oben. Die habens gut! (Ich aber auch). Nebenbei erfuhr ich, dass die Schynige Platte Bahn den Betrieb bereits eingestellt hat. Gestern Sonntag war der letzte Betriebstag. Aha, darum hat es heute keine Touristen auf dem Highway. Aber genau so ist es schön und so geniesse ich es am meisten.
Nun gut. evt. erreiche ich den Arbeiterzug oder ich muss halt hinunter wandern. Es war mir (noch) egal denn ich genoss einfach den Tag und wanderte nun definitiv Richtung Schynige Platte zu. Auf dem Grätli nach dem Louchernhorn P.1985 erkundigte ich mich telefonisch nach dem Arbeiterzug. Hoppla, der fährt um 16h30. In 20 Minuten!  Keine Chance diesen zu erreichen dachte ich und teilte dies so mit. Denn ich hätte liebend gerne noch die Gratwanderung rückwärts absolviert.
Ich hatte bereits 20 Kilometer in den Beinen und über 2200Hm. Mit dem Grätli und dem Marsch ins Tal wären das dann… Nein ich mag nicht rechnen. Nicht die Kondition aber die Zeit war entscheidend. Denn ich musste noch nach Bern. Ich versuchte nochmals das Hotel telefonisch zu erreichen, was leider nicht möglich war. So gab es nur eines. Das Wanderntempo in ein zügiges joggen zu verwandeln. Das GPS zeigte 1,5km Luftlinie und 1 Cache bis zur Station. Um 16:26 sah ich das Andreaskreuz beim Bahnhof. Noch 200m. Sogleich sah ich den Zug den Übergang passieren. Nein, das kann es nicht sein! Ich rief, winkte und pfiff so gut mir dies mein Atem noch zuliess. Und…. Ich sah den Zug anhalten. Der nette Mann im orangen Anzug öffnete mir die Türe. Total verschwitzt konnze ich noch zusteigen. Wow, was für ein Glück. Sehr gemütlich fuhr ich mit den Arbeiter zurück nach Wilderswil und genoss nochmals das schöne Panorama. Zum Dank setzte der Lokiführer die Loki beim Bahnhof gleich noch auf den Schotter. Auf der Weiche entgleist.
Um 20h30 erreichte ich glücklich und müde mein zuhause. Wow, was für ein Tag. Just WOW.

 

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