3 Tages Skitour, Gitzifurggu – Wildstrubel

Was ist die Steigerung von genial, traumhaft oder wunderschön? Ich sage nur, eine 3 Tages Skitour.

 

Ok, um den Freitag machen wir eine kleine Wetterklammer. Mit Tinu, Jüre, Orazio und Küre reisten wir in das Lötschental. Nach einem Kaffeezwischenhalt auf der Laucheralp reisten wir bequem mit der Bahn auf den Hockenhorngrat. Es schneite. Aber das störte uns (noch) nicht sonderlich. Unser Ziel war die Lötschenpasshütte. Der Bahnangestellte hat uns empfohlen den oberen Weg zu nehmen, was wir natürlich befolgten. Es folgte dann der etwas beschwerliche Weg durch den tiefen Schnee mit den Ski auf den Schulten und dem schweren Rucksack am Rücken. Der Weg musste bereits hier etwas gesucht werden. Endlich konnten wir auf die Ski’s stehen und so eine Passage traversieren. Nun zog rasch Nebel auf und ein richtiger kalter Schneesturm machte uns das Vorwärtskommen schwer. Die Orientierung war nur noch mit GPS und Onlinekarte möglich. Mit kaum Sicht und nur im Stemmbogen fuhren wir vorsichtig durch das blinde Gelände. Unschön und mir wird es so brutal trümmlig. Ca. alle 50 Meter wurde wieder auf das GPS geschaut. Wir wollten uns ja nicht noch verfahren. Die Kleider waren durch den kalten Schneesturm bereits richtig weiss und steif gefroren. Die gute Laune blieb jedoch warm und alle waren froh als nach 2 Stunden die Hütte aus dem Nebel auftauchte. Eine Viertelstunde später hatte sich der Nebel und der Schneesturm verzogen. Durch ein kleines Loch im Himmel sahen wir noch kurz den blauen Himmel. Tja. Fies.

Wir waren die einzigen Gäste in der Lötschenpasshütte auf 2’690m, was uns nicht im geringsten störte. Sogar die Indoortoilette wurde ausnahmsweise für uns geöffnet, wenn auch nur zeitlich begrenzt. Für die Aussentoilette musste man durch den tiefen Schnee. Es standen dafür Gummistiefel zur Verfügung. Ein paar von uns versuchten es trotzdem mit den Croc’s… 🙂 

Mit Suppe, Salat, Dörrbohnen, Kartoffelstock, Fleisch-Pilzragout und Dessert wurden wir sehr gut bekocht. Alle waren müde und so legten wir uns bereits früh in das Bett.

 

Samstag 17.Februar 2017

Ausgeschlafen nahmen wir um 7:30 Uhr das Frühstück ein. Am Himmel sahen wir keine Wolke und bald zeigte sich auch die Sonne hinter den Bergen. Wow, was für ein erwachen. So machten wir uns bereit für die Tour über die Gitzifurggu nach Leukerbad. Mit dem Gepäck am Rücken und  mit den Fellen unter den Ski’s, machten wir uns auf den Aufstieg. Wir waren die Ersten und Jüre legte für die Nachkommenden eine perfekte Aufstiegspur in den Schnee. Keine zwei Stunden später standen wir auf 2’980 Meter und konnten die geniale Aussicht in die Berge geniessen. Die Vorfreude auf die kommende Abfahrt war riesengross. Denn der Hang war jungfräulich und keine einzige Spur war zu sehen. Der Pulverschnee war perfekt und so legten wir himmelhochjauchzend los. Jeder zauberte seine eigene S-Spur in das Weiss. Immer wieder wurde gestaunt, geträumt und vor allem genossen. Es war ein unbeschreibliches Gefühl einen solchen Hang zu befahren. Bei der Flüealp machten wir Mittagsrast.

Weiter geht es. Kurz vor dem Majingsee passierte es dann. Ein „Aua“ und ein Fluchen von Küre waren kein gutes Zeichen. Bei einem dummen Sturz wurde der Wadenmuskel in Mitleidenschaft gezogen. Humpelnd und unter Schmerzen erreichte Küre zu Fuss den Weg, der nach Leukerbad führte. Vorsichtig konnten wir so ins Dorf rutschen. Leider musste Küre die Tour hier beenden und mit dem Zug nach Hause fahren. Orazio war so lieb und begleitete den Patient nach Hause. Schade dass wir nur noch zu dritt waren 😥 . Gute und vor allem eine schnelle Besserung an dieser Stelle an Küre.

 

Dank den (Ironie AN) „perfekten“ (Ironie AUS) ÖV-Verbindungen in Leukerbad machten wir uns zu Dritt und zu Fuss quer durch das Dorf zur Talstation der Gemmibahn. Bei einem Ausrutscher auf einer Eisfläche hätte auch für mich die Tour zu Ende sein können. Schwein gehabt und ich lag flach auf dem Boden. Die Gondel brachte und dann auf den Gemmipass. Nach einer Stärkung im Restaurant nahmen wir den Aufstieg zur Lämmernhütte unter die Füsse. Nach 90 Minuten erreichten wir die neu umgebaute SAC Hütte auf 2’501m. Hier war definitiv mehr Betrieb als in der Lötschenpasshütte. Doch das ganze lief in sehr geordneten Bahnen ab. Am Abend wie am Morgen. Auch da wurden wir mit Suppe, Salat, Riz Casimir und gebrannter Creme gut verpflegt. Nach dem feinen Hüttenkafi legten wir uns auch heute früh in den Schlafsack.

 

Sonntag 19. Februar 2017

Tagwache war um 5:45 Uhr. Um 7 Uhr marschierten wir in der Morgendämmerung los. Wiederum war am Himmel keine einzige Wolke sichtbar und bald zeigten sich auch die ersten Gipfel im Sonnenlicht. Einfach nur schön dass man so was erleben und geniessen kann. Die Zeit im Aufstieg verging sehr schnell und plötzlich standen wir schon auf dem 3’243m hohen Wildstrubel Mittelgipfel. Wow, was für eine Aussicht. Genuss pur. „Eifach numme gniesse u stune“.

 

Die Felle wurden in den Rucksack verstaut. Wiederum hatten wir Glück perfekten Pulverschnee vorzufinden. Mit eleganten S-Schwüngen genossen wir die Abfahrt. Genialös! Auf einer Anhöhe fanden wir einen schönen Mittagsplatz mit Sicht in den Kessel. Ein perfekter Platz um andere Tourengänger zu beobachten und mit der Sicht auf das Schwarzhorn und Daubenhorn weitere Skitourenziele ins Auge zu nehmen.

Nach der Stärkung machten wir uns auf dem Weg zurück zur Lämmernhütte. Das nicht benötigte Material wurde wieder in den Rucksack verstaut. Leider entdeckte Tinu noch den Aprikosenkuchen. Da dieser nicht in den Rucksack passte, wurde er im Magen verstaut. 😆  Durch das Lämmerntal stiegen wir wieder 400Hm hoch zur Rote Totz Lücke, die gar nicht so rot war. Eher waren unsere Köpfe etwas rot wegen der Sonne und den frühlingshaften Temperaturen. Über den eigentlich nicht mehr existierenden Tälligletscher fuhren wir zum Tälliseeli weiter ins Üschenental. Die steile Abfahrt ins Tal war kein Hit mehr. Wir waren ja verwöhnt, doch diese Abfahrt brauchte noch richtig viel Kraft und der schwere Rucksack drückte auch auf die Schulter. In Usser Üschene  legten wir nochmals eine kurze Pause an der Sonne ein. Wir hofften auf genügend Schnee, dass wir bis zur Talstation Sunnbühl fahren können. Und wir hatten auch da Glück. Die Abfahrt war zwar kein Genuss. Jedoch mussten wir null Meter laufen und konnten bis vor die Beiz fahren. Perfekt oder?

Zwar verpassten wir den Dorfbus um einige Minuten was uns aber nicht wirklich störte. So konnten wir noch ein Abschiedbier im gemütlichen Beizli geniessen. Im überfüllten Bus fuhren wir in Sardinenstellung nach Kandersteg zum Bahnhof. Im zwar etwas weniger prall gefüllten Zug gings nach Bern zurück in die Zivilisation.

 

Das war ein verlängertes Wochenende, das für mich die Steigerung von genial, traumhaft oder wunderschön war. Danke viel mal an meine tollen Kollegen Küre, Orazio, Jüre und Tinu dem Organisator. Ich freue mich bereits heute wieder. Merci Jungs!

Ein Kommentar:

  1. Wow. Auch der Bericht ist genialös

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