Im Camper durchs Baltikum

Litauen, Lettland und Estland. Diese baltischen Staaten waren mein Reiseziel. Für 3 Wochen fuhr ich mit meinem Camper durch diese Länder. Jeden Tag hatte ich Highlights wie wunderschöne Strände, interessante Lost Places, fantastische Wälder, traumhafte Stellplätze und lustige Begegnungen.

Meine Route führte mich zuerst mal nach Polen an die „Frische Nehrung“. Weiter zum tiefsten See von Polen an das Dreiländerkreuz (Polen, Litauen, Russland). Nach dem Besuch der kurischen Nehrung (Litauen) fuhr ich entlang der Küste nach Liepaja (Lettland). Nach dem Erlebnis in Skrunda ging es weiter via Riga und entlang der Küste nach Pärnü (Estland). Von Virtsu mit der Fähre nach Muhu und über den Damm nach Saaremaa. Zurück auf dem Festland besuchte ich Haapsalu und fuhr weiter östlich nach Järva-Jaani. Zurück südwestlich Richtung Pärnu an die Küste gegen Süden. Dann durch Litauen nach Vilnius und ins südliche Litauen nach Druskininkai. Rüber nach Polen und via Warschau und Lodz nach Görlitz. Nach einem Abstecher in die Tschechische Republik ging es dann durch Deutschland nach Hause. 6800 Kilometer. Optisch sieht das etwa so aus. (Die Buchstaben sind Orte die mich interessiert haben und die ich besuchen wollte)

 

Ein Tagebuch würde den Rahmen sprengen. So sammelte ich die Highlights eben nicht in eine Top 10 zusammen, sondern in eine Top 11. (weil es einfach nicht anders geht) Die Auswahl war nicht einfach und es gäbe noch einiges mehr zu berichten. Aber äbä…

 

11. Riga

Nur weil die Hauptstrasse direkt durch die Stadt führt, ein Parkplatz im Zentrum frei war und weil es regnete machte ich hier einen Stop :-). In 3 Stunden hat man Riga sicher nicht gesehen. Aber dennoch einige Hotspots der Stadt besucht. In einem kleinen Kaffee gönnte ich mir einen warmen Tee und eine leckeren Kuchen. 

Riga Fotos:

 

10. Haapsalu

In der Region Haapsalu, exakt bei Kiltsi befindet sich der ehemalige sowjetische Militärflugplatz von Paralepa (Paralepa lennuväli). Diesen wie auch das Schloss Ungru, wollte ich besuchen. Das Schloss Ungru, das heute in Ruinen steht, ist eigentlich nie fertig gebaut worden. Das Schloss wird durch den komplizierten Grundriss und zahlreiche barocke Volutengiebel gekennzeichnet. Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb das Schloss im Besitz der Sowjetarmee. 1968 beschloss der Flughafen-Chef die nutzlosen Schlossruinen als Füllung der Startbahn des Flughafens zu verwenden. Etwa ein Drittel wurde abgebrochen, der Rest ist zum Glück erhalten geblieben.

Nach dem Besuch der beiden Stätten fuhr ich durch Haapsalu und entdeckte zufällig das Lokomotiv Museum. Der Bahnhof hatte bei seinem Bau 1907 den längsten überdachten Bahnsteig Europas. Aber 1995 wurde die Linie für den Personenverkehr, unter Protesten der Bevölkerung geschlossen demontiert. Die noch da stehenden Loks und Züge kommen nun nicht mehr weg und sind an diesen Bahnhof gebunden.

Zu den Bilder:

 

9. Liepaja Northern Forts

Die nördlichen Festungen waren Teil der zentralen Festung von Liepaja und wurden zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert erbaut, um der Flottenbasis Schutz zu bieten. Nach weniger als zehnjähriger Bauzeit, galt die gesamte Festung als strategischer Fehltritt und wurde aufgegeben. Es gab Versuche, Teile davon in die Luft zu sprengen, aber die Zerstörung solch robuster Befestigungen ist keine leichte Aufgabe, und die Überreste stehen noch heute. Überraschenderweise verursachten die Versuche, die Festungen zu zerstören, eindringliche Ruinen am Meer. Jeder kleine Steinbunker birgt seine eigenen Geheimnisse. Das Meer hat seinen Tribut gefordert und ein Teil des Northern Forts-Komplexes ist bis zur Wasserlinie zusammengebrochen.

Die Fotos:

 

8. Bad Baldone Sanatorium und Bad Kemeri

Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts ist Baldone als Kurort bekannt. Im Jahr 1780 wurden dort Soldaten der Rigaer Garnison behandelt. Das Hauptgebäude des verlassenen Baldone-Sanatoriums wurde 1797 erbaut. Die Bedeutung des Kurorts Baldone nahm nach der Eröffnung eines Kurorts in Ķemeri im Jahr 1838 ab. Doch in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts blühte es erneut auf. 1997 wurde das Sanatorium „Baldone“ privatisiert. Das Sanatorium – ehemals eine Stolzquelle für die Einwohner von Baldone, wurde nicht mehr genutzt, als Lettland seine Unabhängigkeit wiedererlangte. Das Sanatorium und die Schwefelquellen sind historisch bedeutsam für die Stadt, jedoch sind ihre Gebäude im Laufe der Jahre verfallen, mit zerbrochenen Fenstern, zerstörten Mauern und bröckelnden Dächern. Die meisten Besucher neben den jugendlichen Straftätern, die Graffiti hinterlassen, sind Enten, die den kleinen Fluss, der durch das Sanatorium fließt, bevölkern.

Bad Kemeri wird jedoch renoviert. Das aus der sowjetzeit stammende Hauptgebäude ist gigantisch. Der Park nebenan jedoch noch einen verschlafenen Lostplace mit einer Kapelle die an diesem Tag gut besucht war.

Zu den Bäder:

 

7. Muhu und Saaremaa

Mit der Fähre gelangte ich von Virtsu auf die Insel Muhu. Rasch hatte ich einen wunderschönen und einsamen Stellplatz gefunden. Das Wetter war die nächsten drei Tage nicht sehr trocken. Dennoch gönnte ich mir die Zeit auf diesen beiden sehr schönen Insel.

Auf einer tollen „Wanderung“ (10km), besuchte ich den Leuchtturm Kiipsaare. Dieser wurde 1933 errichtet und ist 26m hoch. Ursprünglich wurde der Turm auf dem Festland, etwa 100 m vom Strand entfernt erbaut. Heute steht er im Meer, weil die Küstenlinie sich verändert hat. Wegen dem Einfluss von starkem Wind und hohen Wellen neigte sicher der auf der steilen Küste befindliche Leuchtturm auf die Seite.

Auch der Besuch von Kuressaare, der einzigen Stadt auf der Insel durfte nicht fehlen. Die eindrückliche Burg und das schmucke Stadtzentrum war einen Besuch wert.

Muhu und Saaremaa Bilder:

 

6. Autofriedhof in Estland

Mitten in Esland in Järva-Jaani fand ich den interessanten Autofriedhof. Beim Eingang stand ein kleines Polizeiauto. Als der Eintritt bezahlt war, blinkte das Blaulicht auf. Auf dem ganzen Gelände war dann keine einzige Person (weder Aufsicht noch Besucher) zu sehen. So schlenderte ich kreuz und quer durch die verrosteten Autos. Ein Technikfreak bin ich nicht, aber dennoch konnte ich hier sehr viel Busse, Mähdrescher, Traktore, Feuerwehrautos und andere interessante Fahrzeuge aus alten Zeiten bewundern. Zwar sehr schön anzusehen, obschon viele von diesen Objekten einen gepflegten Platz in einem Museum verdient hätten.

Hier geht’s ins Museum:

 

 

5. Amusement Park in Elektrenai 

In Ostlitauen wurde Elektrenai zu Sowjetzeiten speziell für die Unterbringung von Mitarbeitern in einem nahe gelegenen Kraftwerk gebaut. Seit der Schließung des Kernkraftwerks Ignalina in der Nähe von Visaginas im Jahr 2009 ist das Kraftwerk Elektrenai die wichtigste Stromquelle Litauens. Der Vergnügungspark wurde 1986 eröffnet und 2013 geschlossen, weil er nicht den technischen Anforderungen entsprach. Ich hatte Glück. Der Park wird leider umgebaut und die Baumaschinen und Bauarbeiter sind am wirken. Das Riesenrad und der Autoscooter sind bereits dem Erdboden gleichgemacht worden. Als nächstes fällt wohl die Achterbahn. Schön konnte ich einen Teil vom Park noch besuchen.

Hier die Bilder:

 

4. SPA Sanatorium “Nemunas”

Das zweithöchste Haus in der litauischen Stadt Druskininkai. Das Sanatorium wurde 1980 nach guten Traditionen der Sowjetzeit erbaut. Zu Zeiten des „kontrollierten Tourismus“ verfügte jede Stadt nur über ein oder mehrere große Unterkünfte. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion eröffneten die Unternehmen lieber viele kleine als mehrere große Hotels. Nach dieser Zeit wurde „Nemunas“ langsam nicht mehr von Touristen besucht. 2007 wurde das Sanatorium geschlossen. Ein (noch) riesiger Lost Place in dem noch viele Zimmer „eingerichtet“ sind. Massageliegen, Patientendokumente und vieles mehr kann man in dem 11 stöckigen Haus finden. Auf dem Dach hat man eine wunderschöne Aussicht auf Druskininkai.

Zum Album:

 

3. Kurische Nehrung

Diese fast 100km lange Halbinsel (52 km zu Litauen und die südlichen 46 km zur russischen Oblast Kaliningrad), hat es mir auch angetan. Im Sommer ist diese sehr touristisch. Aber ab Mitte September ist da, zum Glück, nicht mehr viel los. Nach der Ankunft auf dem Campingplatz (man darf nicht wild campen) kurvte ich mit dem Bike zum „Sonnenkalender“ auf die Hohe Düne. Anschliessend erkundete ich das malerische Dörfchen Nida, wo ich mein Nachtessen genoss. Pünktlich zum Sonnenuntergang war ich mit dem Bike wieder auf den Dünen.

Am nächsten Tag fuhr ich mit dem Bike von Judokrante auf dem Radweg, der durch wunderschöne Wälder und entlang der Dünen führt, bis an den nördlichsten Punkt der Nehrung. Der Blick zurück zeigte mir rechts die Natur links die Industrie. Eine megaschöne und auch interessante Biketour auf total 50 Kilometer. 

Die Bilder:

 

2. Skrunda-1

Skrunda ist eine Kleinstadt in Lettland. Dann gab es noch Skrunda-1. Dies war eine Stadt, von der niemand etwas wissen sollte. Skrunda-1 wurde 1963 als geheime Militäranlage zu Zeiten der Sowjetunion in Lettland erbaut. Es lebten bis zu 5000 Menschen in dieser geheimen, geschlossenen Stadt die nur mit strengen Zutrittskontrollen erreichbar war. Nach den kalten Krieg, als die russische Armee endgültig aus Skrunda-1 abzog, hat sie eine Geisterstadt hinterlassen Heute gilt sie als größte Geisterstadt im Baltikum. Bis vor 2 Jahren war ein Teil davon für Touristen geöffnet. Dass die Stadt dann an das lettische Militär verkauft wurde wusste ich bei meinem Besuch (noch) nicht. Ich fand einen Hintereingang und habe die Verbote, Barrieren und so weiter zwar gesehen, aber dennoch passiert. Sicher war ich 90 Minuten in der Stadt und in den Gebäuden unterwegs. Ich war überwältigt von dieser Stadt, die mit Krankenhaus, Turnhalle, Kindergarten, Einkaufsmöglichkeit einst alles geboten hat. Eigentlich hatte ich genug gesehen doch das eine Gebäude, die Werkstatt oder Garage reizte mich noch.  Und dann passierte es. Hier die Originalversion vom erlebten die ich am Abend dann geschrieben habe.

„Es isch eigentlech luschtig u sehr spannend gsi bis z’Militär isch cho. Ha irgend e Hingeriigang verwütscht das ig ha inne chönne. (Vore isch ja zue gsi 😂) Es wär zwar scho agschribe gsi das alles da VERBOTE isch. Aber äbä. 😂. Ha mi lang ufem Gländ chönne vertörle u fötele. Denn ha ig no eis Gebäude wöue ga luege. Das isch de eis z viu gsi. De isch de plötzlech dr 190cm, Typ mit Klitschlo Gsicht vor mir gstande. Dr Hund het kei Iidruck gmacht. Dä het wöue spiele. Aber dr anger nid 😱. Er het nix änglisch oder dütsch chönne. „Latvia lativia“ het er nur gsunge. Er het de dr Uswis wöue. Ha dänkt ig gäb im mau z’Halbtax Abo. Dert steit ja Swiss Pass druffe🤷🏼‍♂. Het de telefoniert u mit Polizei droht. Het ou scho mau sini Handschäue zeigt. De het er mi mit gno ufe Poschte bim „Iigang“. Dert si Kollega gsi und ou no gfragt wäg Uswis. Ha de no dr Füehreruswis mau gä u gseit dr Passport sig im Outo, was natürlech nid ganz gstumme het. Dr eint isch de mau is Kabäuschen ga prüefe u dr Gross het mi bewacht. Ha de d Fotos uf Föteler müsse lösche u ha mau agfange. Ha aber sicher schon 100 Fotos gmacht. Ha de mau 20-30 glösche u gseit sig guet. (Z Handy hät ig ja ou no gha). De hei mir aui no chli Dütsch, Lettisch Englisch nätt plöiderelt und si hei mir no mau z’Plakat erklärt, dass me da nid inne darf. När hei si mi wäg gschickt. Ha de nid no gfragt ob sie es Biberli wei😂. Zum Glück ha ig bim Outo PP e Waypoint gsetzt. So ha ig um das ganze Gländ dür Wälder u Büsch musse loufe bisig mi Charre ume gfunde ha. Isch mir auso scho grad chli iigfahre. Aber dr Bsuech isch glich dr Hammer gsi. Abartig was da isch bout worde…“

Ja, das war ein Erlebnis. Unvergesslich.  😉

Skrunda-1 Fotos:

 

1. Stellplätze, die Abend- und Morgenstimmungen

Was wäre eine Reise im Camper ohne coole Stellplätze und tollen Wetterstimmungen. Teilweise brauchte es zwar etwas Geduld bis ich was „passendes“ fand und ein anders mal fährt man einfach dazu. Dann noch was feines kochen, sich ein Bierchen gönnen und einfach den Abend geniessen. Beste Erholung und einen perfekten Schlaf.

Und wenn der Tag erwacht ein leckeres  Kaffee aus der „Bialetti“ und die frische Morgenluft geniessen. Super Start in den nächsten Ferientag.

Etwa so:

 

 

Ein Gedanke zu „Im Camper durchs Baltikum

  • 2. Oktober 2019 um 19:41
    Permalink

    Danke fürs teile vo dini erläbniss! Super wie immer!

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