Pilatus West

Den Camper habe ich in der Nähe der Mittlisthütten parkiert. Mit List holte ich mir beim Älpler die Übernachtungserlaubnis. Eigentlich war es Ihm egal…

02:34 zeigte die Uhr als ich hellwach im Bett lag. So kam mir die Idee den Sonnenaufgang oben auf der Pilatuskette zu geniessen. Ich stellte den Wecker neu. Doch als ich nach 30 Minuten immer noch nicht einschlafen konnte, stand ich auf, frühstückte, packte meine Sachen und zottelte um 4 Uhr im Schein der Stirnlampe los. Ich schrieb Viki noch, dass es mein Ziel sei heute den Sonnenaufgang und Steinböcke zu sehen. Mal kucken ob die Ziele erreicht werden. Es war wunderschön durch die dunkle Nacht zu wandern. Man nimmt die Umgebung und die Laute ganz anders wahr. Zuerst besuchte ich einen alten Bunker, bevor es ab P.1508 rauf zum Blauen Tosse ging. Von blau war noch nichts zu erkennen. Es war immer noch dunkel als ich rüber zum Risetestock wanderte. Das feuchte Gras nässte meine Schuhe und Hosen. Auf schlafende Steinböcke traf ich leider nicht. Das einzige Tier das ich unterwegs antraf war die Nacktschnecke. Die haben zwar auch Hörner. Aber nicht ganz vergleichbar mit denen des Steinbocks. Aber item.

Die «Arbeit» am Risetestock, erledigte ich. Nun war es mein Plan möglichst weit auf der Kette gegen den Pilatus zu wandern. Aber ich muss dann auch wieder zurück… Via Blaue Tosse erreichte ich die Stäfeliflueh mit der Schweizer Fahne. Der Zeitpunkt 06:30 und der Ort war perfekt um genau da den Sonnenaufgang zu beobachten. Solche Momente erfüllen mich immer wieder mit Glücksgefühlen. Wie wunderschön da oben zu stehen und den Sonnenaufgang so bewusst wahrzunehmen. Einfach wow.

Weiter wanderte ich über den Grat zur Tripolihütte. Es machte mir gar nix aus, dass die Hütte geschlossen war. So besuchte ich nur das externe luxuriöse WC mit Doppelverglasung in der Bretterhütte. Weiter ging es durch eine wunderschöne Landschaft gegen das Mittaggüpfi. Eine Gämse pfiff in der Nähe und verschwand rasch zwischen den Bäumen. Auch kein Steinbock. Aber schon näher dran. Es war zwar erst 8 Uhr und noch nicht Mittag als ich auf dem Gipfel vo Mittaggüpfi stand. Ein paar Leute die im Biwak übernachtet haben schlüpften langsam aus Ihren Zelten. Ob es der vorbeifliegende Super Puma war der die Leute weckte? Jedenfalls war es kein Super Steinbock.

Ich wanderte weiter über den Rottosse gegen das Widderfeld zu. Der Name tönt ja schon vielversprechend um eventuell dort auf etwas Wild zu stossen. Aber um es vorweg zu nehmen. Fehlanzeige. Auf dem Gipfel beim Kreuz machte ich eine Pause und schaute rüber zum Tomlishorn und Pilatus. Etwas westlich vom P.2075 stieg ich vom Widderfeld runter um die alte Kaverne «Stairway to Widderfeld» zu besuchen. Auf der anderen Seite des Tunnels wanderte ich nahe der Felswand wieder hoch auf den Grat. Einen Abstecher äne abe zum Grätsch Cache musste noch sein. Weiter unten als der Cache, wirklich weit weg, beobachtete ich eine weitere Gämse beim futtern. Wenigsten Mal knipsen und mit grossem Zoom rein in den Fotoapparat.

Ich stieg wieder hoch auf den Grat. Weiter ging mein Marsch auf das Tomlishorn. Mit 2’128 mein höchster Punkt heute. So nah war ich dem Pilatus noch nie. Doch es war auch mein Wendepunkt. Nun wollte ich über den Tomlisgrat runter und unten durch zurück zum Ausgangspunkt. Auf dem oberen Teil des Grats, auf dem grasigen Rücken, entdeckte ich Steinbockscheisse. Zwar ausgetrocknet aber ein weiteres Indiz, dass es da oben Steinböcke gibt. Konzentriert stieg und kletterte ich dann über den Grat ab. Ein sehr toller Grat der mir gefallen hat. Dennoch war ich erleichtert als ich mich unten auf das Bänkli setzen konnte.

Nun folgte der lange Marsch zurück. Von Tumli via Birchboden und durch den Sagenwald auf unter 1200m. Minus fast 500Hm. Rauf zum Märenschlag, Balismatt und Wängen und über den tollen historischen Polenweg auf wieder 1641 Meter. Die Suche nach Steinböcken habe ich unterdessen aufgegeben. Denn auch die Kühe auf den Wiesen waren keine Steinböcke. Runter durch die Schlucht die ich am Morgen im Dunkeln hochgestiegen bin, erreichte ich wieder die Mittlisthütte. Der Älpler stand bereits auf der Terrasse und lud mich zum Kaffee ein. Zuerst ein kühles Bier und dann Kaffee mit Schnaps. Und auch der Hund, der mich gestern noch anbellte, wurde so mein Freund. Danke Dölf für Deine Gastfreundschaft.

Zurück beim Camper gönnte ich mir eine erfrischende Dusche und kochte mir was zum Nachtessen. Ich übertrug noch die Bilder von der Kamera auf den Laptop. Da bemerkte ich, dass die vermeintliche Gämse die ich beim Grätsch angetroffen habe, doch ein Steinbock war. Yeah. Beide Ziele, Sonnenaufgang und Steinbock sehen, waren nun erfüllt. Wobei dies mit dem Steinbock noch verbesserungsfähig ist. Aber trotzdem. Es war eine sehr lange, geniale, abwechslungsreiche und schlichtweg traumhafte Wanderung. Nach fast 25km, 2’350Hm und über 42’000 Schritte erwachte ich in der Nacht nicht nochmals um 02:34.

 

Hier die Bilder:

 

2 Gedanken zu „Pilatus West

  • 27. August 2020 um 20:20
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    Liebster Beat Schatz. Tolle Sonnenaufgangsbilder! Wie immer machst Du schöne Touren. Ich freue mich schon auf unsere lange Ferien und abenteuerliche Erlebnisse, denn ich Dich heiss liebe. Deine Viki

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  • 27. August 2020 um 19:56
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    Hei Sünneli. Super schöni bilder . Hesch wider en tag voller glück u z’friedeheit gha. Merci für aues schöne wo du erlebscht u das mit us z’teile. Lg bis bald
    Mami Susi

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