Matterhorn, 4’478m

Das Matterhorn. Einer wenn nicht der schönste Berg. Eine Marke für die Schweiz. Ein weltbekannter Berg über den viele Geschichten geschrieben wurden. Für mich hatte das Horu stets eine Anziehungskraft. Aber wegen dem Kommerz und dem Stress am Berg auch eine gewisse Abneigung. Einen einsamen Gipfel ziehe ich dem Matterhorn vor. Und dennoch…

Sehr oft haben wir in unseren Ferien von anderen Gipfel aus das Matterhorn gesehen.  Vom Nadelhorn aus, vom Allalin, vom Breithorn vom Mettelhorn um nur einige zu nenne. Wir diskutierten schon lange ob das Matterhorn was sein könnte für uns. Viki war bereits 2x oben. Ich noch nie. Und nun steckten wir schon länger im sonnigen Wallis und in Zermatt. Wir sind akklimatisiert und wir sind fit für den Berg. Wenn nicht jetzt, wann dann?

Am Dienstagmorgen buchten wir die beiden Bergführer. Ein Gast, ein Bergführer. Die Nacht auf den Donnerstag war auch die letzte Möglichkeit wo die Hörnlihütte noch offen hatte. Danach ist Winterruhe. Wir versorgten zuerst Colin in Zermatt und watschelten dann am Mittwoch Nachmittag gemütlich zu der Hütte hoch. Vor 5 Jahren umgebaut gleicht die Hütte nun einem vornehmen Hotel. Nach dem Check-In stiegen wir noch ein paar Meter hoch bis zum Einstieg der aufs Matterhorn führt. Die Vorfreude war gross. Aber auch der Respekt. Beim Nachtessen trafen wir unsere Lebensversicherungen, sprich die Bergführer. Jean-Paul der Walliser für mich und Sylvain der Welsche für Viki. Nach dem Essen packten wir unter Aufsicht der Bergführer noch unsere Rucksäcke und dann war auch schon Schlafenszeit.

Das Schild das wir am Vorabend in der Hütte lasen war klar. Frühstück 05.00. Abmarsch nicht vor 05:20. Gross Hunger hatte ich eh nicht und so reihten wir uns 05:15 auf, um an das Seil geschnürt zu werden. Zuerst die Walliser Bergführer, dann die Auswärtigen und am Ende die Führerlosen. So ist die Startreihenfolge. Punkt 05:20 als alle, wirklich alle parat waren wurde die Türe geöffnet. Nicht vorher…

Von einer solchen «Abfertigung» hatte ich grosse Bedenken. Heute, das ist sicher nicht immer so, war das Aufstehen, Frühstücken und Bereitmachen völlig stressfrei und sehr angenehm. Ich hatte schon mehr «Gstung u Puff» in anderen Hütten erlebt. Einen Vorteil sicher auch, dass heute nur 15 oder 16 Seilschaften unterwegs waren, was doch sehr wenige sind. Da gibt sicher andere strengere Tage…

Wir wanderten nun hoch zum Einstieg. Wegen dem Wetter am Vorabend waren die Bergführer eher skeptisch ob wir den Gipfel überhaupt erreichen werden. Hoffnung machte uns der Jean-Paul am Vorabend jedenfalls nicht. Wir gehen mal und schauen wie es ist. Das waren seine Worte. Und so gingen wir halt und schauten mal wie es eben ist. Eben war es definitiv nicht. Es ging kletternd und im Schein der Stirnlampe zackig zur Sache, was mir auch recht war. Couloir, Eisloch, Steinschlag, Alte Hütte, Eseltritte, Bohrlöcher und es wurde unterdessen auch heller am Horizont. Die Zeit verging schnell. Kurze Verschnaufpause. Ich fühlte mich immer noch wohl im Gelände und auch fit. Es dauerte nicht mehr lange bis wir die Solvayhütte auf 4003m erreichten. Zwei Italiener die gestern den Abstieg nicht mehr geschafft haben, übernachteten hier. Etwas oberhalb der Moseleyplatte schnallten wir die Steigeisen an die Schuhe. Weiter geht es über die Schulter und den darauf folgenden Grat. Nun folgten einige Fixseile. Am Berg lag frischer Schnee vom Vorabend. Der Pickel kam zum Einsatz. Ich hatte nun doch eine Schicht Kleider zu viel auf den Rippen und kam doch recht ins schwitzen und schnaufen.  Der heilige Bernhard, der Schutzpatron der Bergsteiger konnte ich bereits sehen. Der Gipfel war nun nicht mehr weit. Und dann stand ich kurz vor 9 Uhr oben auf dem Matterhorn. Es ist doch ein etwas anders Gefühl auf diesem tollen Gipfel zu stehen. Unbeschreiblich schön und das Wetter einfach nur perfekt. Der Heli flog vorbei. Just wow! Da wir die ID’s im Sack hatten besuchten wir auch noch den italienischen Gipfel mit dem Kreuz.

Jean-Paul, ich, wie auch die anderen drei Seilschaften die bereits oben waren genossen die verdiente Gipfelrast. Doch der Gipfel ist nur die Hälfte der Tour. Der Abstieg ist nicht einfacher und es braucht nochmals höchste Konzentration. Etwa 200% meinte J.P.. Und etwa gleich viel Zeit wie der Aufstieg. Uff. Wir machten uns auf dem Weg. Nach etwa 15 Minuten kreuzten wir Viki und Sylvain die sich noch im Aufstieg befanden. Ein kurzer Schwatz, ein paar Fotos, ein Müntschi und leider trennten sich unsere Wege schon wieder. Auch ein paar andere Seilschaften kreuzten wir, was aber immer problemlos und einfach ging. Absolut stressfrei. Mit abklettern, abseilen und absteigen erreichten wir wieder das Solvay-Biwak. Die Steigeisen verschwanden im Rucksack und ein halbes Snickers im Bauch. Der Abstieg zog sich in die Länge. Die Hörnli Hütte war oft vor den Augen, aber immer noch weit weg und weit unten. Der unterste Teil den wir am Morgen im Schein der Stirnlampe kletterten, war nun schön an der Sonne und sah etwas anders und ausgesetzter aus als ein paar Stunden zuvor. Die letzten Fixseile lagen vor uns und um exakt 12:21 erreichten wir den «festen» Boden.

Zurück bei der Hütte wurde das Kratzen im Hals mit einem Bier behoben. Ich organisierte noch zwei Prosecco für Viki und Sylvain, die ich im Schnee kühlte. Bei den Fixseilen wartete ich auf Ihre Akunft. Wir waren beide mega happy über diese geniale Tour. Bei der unterdessen geschlossenen Hütte packten wir noch unsere Sachen zusammen und wanderten runter zum Schwarzsee. Mit der Bahn waren wir rasch zurück in Zermatt. Der Kebab Imbiss kam gerade zum richtigen Zeitpunkt.

Was denke ich nun über diesen Berg? Dass wir mit dem Wetter und den wenigen Seilschaften extrem Glück hatten ist sicher nicht selbstverständlich. Die alte Hörnli Hütte bot 170 Gästen Platz. Nach dem Umbau, die Hütte ist zwar grösser geworden, sind es noch 130 Plätze. Ein campieren um die Hütte und im umliegenden Gebiet ist verboten. So wird der Verkehr am Horu sicher auch etwas dezimiert. Dennoch bleibt das Horu ein Wahrzeichen, ein Anziehungspunkt und wohl für immer einer der meist begangenen Berge. Ich bin Stolz und glücklich, dass ich einmal auf dem wunderschönen Matterhorn stehen konnte. Auch wenn der Spass nicht billig war. Es war einmalig, unvergesslich und für mich jeden Rappen Wert. Man lebt nur einmal! Und eine Träne habe ich auf dem Gipfel sicher liegen gelassen.

Ein riesengrosses Merci auch an unsere beiden Bergführer die uns sicher und gekonnt auf und ab den Berg führten. Es waren dies: Jean-Paul (http://j-peak.ch/) und und Sylvain (https://sylvainguide.com/)

Die Matterhornbesteigung war auch der Abschluss von unseren 3 Wochen Ferien. Wir hatten so viele wunderschöne Erlebnisse dass ich von jeden Tag einen Blog schreiben könnte. Mit dem Camper waren wir flexibel. Das Wetter 3 Wochen perfekt. Colin ist eine coole und pflegeleichte Socke. Viki sprüht von Ideen. Auch wenn sie mit Ihren Sachen 7/8 vom Platz Camper in Anspruch nimmt kamen wir immer gut miteinander aus. Es waren wunderschöne und aktive Ferien die mir viel Kraft gaben. Berge, Freiheit, Essen, Trinken, Einsamkeit, Zweisamkeit, tolle Bekanntschaften, lustige Erlebnisse, schöne Gespräche, Sonne und und und

Liebe Viki. Herzlichen Dank für Alles. Ig ha di fescht lieb!

Die Fotos:

8 Gedanken zu „Matterhorn, 4’478m

  • 1. Oktober 2020 um 10:52
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    So ein schöner Bericht Beat! Vielen Dank, es hat mir echt Spass gemacht ihn zu lesen. 🙂 Ich war schon lange nicht mehr auf dem Matterhorn mit Gästen, aber jetzt überlege ich es mir wieder. 😉
    Liebe Grüsse
    Carla

    Antwort
  • 29. September 2020 um 19:21
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    ihr beiden!
    so schön, dass ihr all diese touren gemeinsam unternehmen könnt. matterhorn: mit den tollen bildern und dem ausführlichen bericht kann ich eure tour miterleben: die stimmung der morgenstunde, die aussicht mit dem weiten himmel, die glücklichen gesichter, der genuss und die zufriedenheit: wünsche euch weiterhin alles gute&liebe auf dem weg zu weiteren abenteuern. herzliche grüsse doris:)

    Antwort
  • 29. September 2020 um 17:50
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    Säli wyssli
    Super was ier da mached
    Witer so da hei sich zwei gfunde
    Villich gseh mer nis eis umhi ir horner für ne drink
    Gruz roli

    Antwort
  • 26. September 2020 um 13:50
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    Lieber Beat,
    wir danken dir für deine interessanten Berichte und die unglaublich schönen Aufnahmen, welche du immer in deinen Bloggs übermittelst. Wir gratulieren euch beiden zu dieser Besteigung, es ist schön, dass ihr das gemeinsam erleben konntet.
    Wir wünschen euch weiterhin viele schöne Touren, es muss ja nicht immer so hoch hinauf sein.
    Deine Eltern

    Antwort
  • 25. September 2020 um 13:28
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    Liäbä Beat Du und Viktoria heitnäch gfundä wie Dechel ufä Topf mit euer begeischterig für die wunderbari Bärgwält öii fötäni azluägä ufFB isch albä rächt emotional (emel für mi) u dr Collin fasch überall mit derbi soooo schön. Häbet näch sorg liebi grüäss Christine

    Antwort
  • 25. September 2020 um 12:34
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    Hallo Beat. Wir sind uns noch nie begegnet! Aber aus deinem Bericht fühle ich deine Begeisterung für die Berge, für Viktoria und Colin. Ich gratuliere euch zu euren gemensamen Erlebnissen und wünsch euch auch weiterhin alles Gute! Hene & Oksana

    Antwort
  • 25. September 2020 um 11:21
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    Liebster Beat.
    Es waren wunderschöne drei Wochen Ferien mit viel Siegesglück, wie unsere Namen (Viktoria + Beat) vereint und übersetzt schon versprechen. 😉
    Es ist toll mit Dir solche Erlebnisse teilen zu dürfen. Ich bin stolz an Deiner Seite als Deine Lebenspartnerin, Deine Seilpartnerin am Berg, wie im Alltagsleben mit Dir unterwegs sein zu dürfen.
    Ich liebe Dich.
    Deine Viki

    Antwort
    • 25. September 2020 um 20:21
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      Hallo Beat
      Mir fehlen oft die Worte wenn ich die irrsinnig schönen Bilder schaue. Ihr seid wahnsinnig. So toll und Collin überall dabei. Eifach grossartig.
      Weiterhin viel schöne gemeinsame Stunden und Abenteuer wünsche ich.
      Manuela

      Antwort

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