Eigentlich fand der Marathon und der Besuch beim Nollengletscher an zwei Tagen statt. Bitzeli Bschiss im Titel. Aber schön der Reihe nach.
Vor ein paar Wochen wurde ich von Josty angefragt, ob ich am Jungfraumarathon als Pace Biker teilnehmen möchte. Nach etwas hin und her sagte ich zu und stand dann am Samstag um 7:15h beim Container. Mein Job war nach Marschtabelle zu fahren damit die Läufer mit einer 7 Stunden Zeit ins Ziel kommen. Ich wusste nicht wie viel Akku ich brauchen würde um die 38,5 km und 1’300 Hm zu bewältigen. Ohne Unterstützung ging es los, was kein Problem war. Nur das Licht am Bike brannte und oh Schreck bis Gsteigwiler waren 6 % vom Akku weg. Nur vom Licht und ohne dass ich Unterstützung brauchte. Also schaltete ich das Bike ganz ab. Über die leeren Strassen fuhren Hugo und ich exakt nach den angegebenen Zeiten. Toll Lauterbrunnen ohne Verkehr zu erleben. Nun stand „The Wall“ der Aufstieg nach Wengen an. Absteigen und dank Schiebehilfe mit 4,5 km/h aufwärts. Auch ich kam dabei ins Schwitzen. Eine Minute vor der Vorgabe war ich am Checkpoint. Etwas trinken und in der Zeit wieder weiter. Die meisten Teilnehmer nahmen an, dass ich das Besenbike sei. Doch als ich meinen Job erklärte, waren sie happy. Generell waren alle glücklich, zufrieden und sehr dankbar. Immer wieder gab es spannende und auch motivierende Gespräche. Auch die Unterstützung für die letzten Läufer war immer noch grossartig. Super schön. Exakt 12:59 waren Hugo und ich in Wengen. Die Unterstützung hatte ich unterdessen eingeschaltet, denn das Gelände war auch anspruchsvoller. 14:24 h erreichten wir die Abzweigung Wixi. Unser Job war hier nach 38,5 km erledigt und ich immer noch 60% Akku. Der Besenläufer übernimmt ab 14:30 h. Ich stellte mein Bike bei der Talstation ab. Denn ich wollte auch noch hoch. Schliesslich gab es noch ein paar Leute zu unterstützen und natürlich das Bier im Ziel. Vorbei bei drn Alphornbläser, dem Duddelsackspieler und über den Schoggipass ins Ziel. Es war wunderschön wieder am Jungfrau Marathon dabei sein zu dürfen. Auch wenn ich nicht in der Läuferrolle war, ich komme wieder. Prost!
Nun hatte ich vom Jungfrau Marathon OK nach ein Helferseckli mit Sandwich und eine Freikarte für die Bahnen am Sonntag im Gepäck. Ich musste nicht lange überlegen, was ich am Sonntag unternehmen will. Wieder mal in die Guggihütte. Um 7 Uhr in Ost auf den Zug war ich 7:35 h im Terminal. Eine lange Schlange Menschen, bis zum Coop hinten, die Anstehen für den Eiger-Express. Und es „huuere Drück“ beim Einsteigen. Nein noch lange kein Overtourism, Gopf nomau! Ich war happy als ich dann alleine vom Eigergletscher die Moräne herunter marschieren konnte. Ich bog links ab zur Guggihütte. Im Schatten vom Eiger marschierte ich dann aufwärts. Die Steinböcke waren heute nicht da. Nur die vier Personen kamen mir entgegen, die in der Hütte genächtigt haben. Als ich der Guggi ankam, es war kurz vor 10 Uhr, machten sich Dani und Sonja, die die Hütte dieses Wochenende gewartet haben, auf den Abstieg. Es hatte noch warmes Wasser und ich gönnte mir einen Kaffee. Es war noch zu früh zum Absteigen. Also ging es hoch zum Nollengletscher. Der Weg ist mit einigen teils auch verwirrenden Steinmannen gespickt. Doch mit etwas Gespür für die Wegfindung kam ich locker voran. Auf 3’112 m, auf dem Möchplateau, angekommen schien mir das erste Mal die Sonne ins Gesicht. Vor vier Jahren hatte es in dieser Mulde noch Schnee. Heute nix. Keine Pause und weiter aufwärts. Der erste Absatz war gut zu meistern. Beim zweiten hatte es mehr rutschiges Zeugs. Mit der nötigen Vorsicht stand ich dann an der Zunge vom Nollengeltescher auf 3’320 m. Rasch habe ich noch den Geocache kontrolliert. Etwas wenig Besucher da oben. Aber das ist auch ok so. Hier gibt es keinen Übertourismus wie etwa 1500 m weiter drüben auf dem Joch. Ich gönnte mir eine lange Pause, stieg noch etwas weiter hoch, bis ca. 3’400 und übte mit der Kamera den Selbstauslöser via Handy. Wie schon vor 4 Jahren fand ich wieder Bergsteigermaterial. Dieses Mal einen Express und eine Eisschraube. Hat wohl der Gletscher freigegeben.
Zeit zum Absteigen. Vorsichtig ging es über rutschiges und gerölliges Steinzeugs abwärts. Eine gute Orientierung ist auch im Abstieg von Vorteil. Ich liess die Guggihütte links legen und marschierte weiter abwärts. Plötzlich oh Schreck löste sich die Fotokamera vom Rucksack. Sie stürzte und rollte im Etui sicher 20 Meter abwärts. Ich weinte schon fast, konnte mir aber etwa merken, wo sie liegen könnte. Gefunden uff. Ich öffnete das Etui. Ein paar Kratzer und das Gehäuse leicht verbogen. Aber sie funktioniert. Glück gehabt. Das hätte mich sehr getroffen. Sie verschwand gleich save in den Rucksack. Zurück auf der Moräne steuerte ich den Schoggipass an. Die Marathonläufer wissen welche Stelle ich meine. Rasch war ich dann unten auf der kleinen Scheidegg. Bei Kaffee und Cremeschnitte schaute ich nochmals hoch zum Noellengletscher. Mitten in den Touristen fuhr ich happy zurück nach Interlaken. Das Bad in der Aare war eine Wohltat nach dem Marathon zum (und dem) Nollengletscher.

